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Bericht zum Relegationsspiel zur
Landesliga SC 04 Tuttlingen - SV Baisingen in Hardt
Man muss es wohl so deutlich sagen: Die Vizemeister aus Baisingen
hatten gestern Abend auf dem herrlichen Sportgelände des
Schwarzwälder A-Ligisten FC Hardt im Prinzip keine Chance.
Tuttlingen, vom Ex-Empfinger Oliver Brose trainiert, ließ die
Baisinger vor allem in der ersten Halbzeit ziemlich alt aussehen.
Einer im Team des SV Baisingen wuchs allerdings in den 90 Minuten
über sich hinaus: Keeper Timo Böhler avancierte aus SV-Sicht ganz
klar zum Mann des Tages. Vier so genannte hundertprozentige allein
in der ersten Halbzeit waren eine Beute Böhlers. Der ließ sich nur
in der 3. Minute durch Nagib Akbary überwinden. Vorausgegangen war
ein grober Schnitzer auf der linken Baisinger Abwehrseite von Marcel
Heinzelmamm. Akbary roch den Braten, fackelte nicht lange und
schloss unhaltbar ins Tordreieck ab.
Als die 90 Minuten vorbei
waren nannte Tuttlingens Trainer Brose genau jenes Tor als den
Knackpunkt des Spiels. „So ein frühes Tor in so einem Spiel tut
natürlich gut. Da war plötzlich die ganze Aufregung bei uns wie
weggeblasen“. Fast ein bisschen Mitleid mit den Baisingern hatte
Brose wegen „diesem dummen Elfmeter“ in der 27. Minute, bei dem
SV-Verteidiger Markus Muhr per Hand auf der Torlinie klärte und
dafür von Schiri Manuel Dürr (Böblingen) „Rot“ sah. Den Elfmeter
versenkte Tuttlingens Torjäger Matthias Weinmann eiskalt – 0:2.
Damit wusste jeder, dass dieses Spiel im Prinzip entschieden war.
Tuttlingen spielte weiter
seine ganze Klasse aus, brachte die sichtlich überforderten
Baisinger ein ums andere Mal in Verlegenheit. Nur einer behielt
kühlen Kopf: Keeper Timo Böhler. „Ich bin ja dazu da, dass ich ab
und zu auch mal einen Ball halte“, sagte Böhler nach dem Spiel,
wissend, dass schon auch ab und zu einer dabei war, den man nicht
mal einfach so hält. Dass das Match schließlich verloren wurde,
wertete Böhler keineswegs als Enttäuschung. „Mein absolut größtes
Erlebnis in meiner Karriere“ freute sich der 26-jährige, und fasst
sich an die Stirn. „Ich kann’s kaum glauben. Vor zwei Jahren hab ich
ja noch Kreisliga B gespielt und heute darf ich vor so einer Kulisse
in so einem Spiel spielen“. Komplimente verteilte Böhler an die
mitgereisten Baisinger Fans, die zwischendurch zwar mal ein bisschen
stumm geworden sind, aber insgesamt gesehen ihre Mannschaft auch in
schier aussichtloser Situation nie im Stich gelassen haben und immer
wieder aufmunternd applaudierten. „Bei solchen Fans macht sogar eine
0:3 Niederlage Spaß“, sagte Böhler nach den 90 Minuten drehte sich
um und ließ sich, wie alle anderen im SVB-Team von den Fans feiern.
Möglicherweise wäre Baisingen nach der Pause sogar noch einmal
herangekommen, wenn der Freistoß von Daniel Bay (62.) nicht an die
Latte, sondern ins Tor gegangen wäre, oder aber der eingewechselte
und stark spielende Marcel Großmann ein bisschen mehr Glück gehabt
hätte. Ex-Abteilungsleiter Klaus Stopper auf der Baisinger
Ersatzbank mitfiebernd, sprach von einem ersten Warnschuss, wollte
seine Elf mit aller Gewalt nach vorne treiben. Irgendwie hatte man
nach der Pause auch das Gefühl, dass Baisingen das Match
ausgeglichener gestalten konnte. Allerdings war das nicht unbedingt
einer großen eigenen Leistungssteigerung zu verdanken, als vielmehr
der etwas nachlassenden Tuttlinger Mannschaft geschuldet. „Wir
müssen am Sonntag noch einmal spielen“, haben die Tuttlinger zwar
nicht ganz so deutlich gesagt, aber gesehen hat man auf dem satten
Grün des Hardter Sportgeländes schon, dass der SC 04 Halbzeit zwei
mit angezogener Handbremse spielte. Drei Minuten vor Schluss drehte
Tuttlingen noch einmal auf. Der eingewechselte Antony Nwaisse
bereitete mustergültig vor und Matthias Weinmann musste nur noch ins
leere Tor einschieben – 0:3. Das Aus für Baisingen – aber gefeiert
haben Philipp Küfers Jungs („ich bin stolz, was wir in dieser Runder
erreicht haben“) hinterher trotzdem.
Bericht von Uli Bernhard,
Südwestpresse - Neckar-Chronik
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